13. Januar 2020

Facebookalgorithmen sorgt für Supergau – Das Video der Live-Übertragung des Neujahrempfang der FDP Miltenberg wird gesperrt

Grund: Südamerikanisches TV-Netzwerk reklamiert Urheberrechte am Stream des Neujahrsempfangs der FDP am Bayerischen Untermain

Aschaffenburg, Samstag, 11.01.2020. Vergangenen Samstag begrüßten drei FDP Kreisverbände vom Bayerischen Untermain über 200 Gäste zum traditionellen Neujahrsempfang in Aschaffenburg. Die FDP Miltenberg streamte ein Video der Auftritte von Dr. Marco Buschmann (MdB), Helmut Kaltenhauser (MdL) und Kommunalwahlkandidaten live auf ihrer Facebookseite.

Die Stimmung der anwesenden Gäste war großartig und sorgte schon während der Live-Übertragung für großen Zuspruch im Sozialen Netzwerk. Kurz nach Ende der Aufnahme und nach erfolgreichem Teilen wurde das Video gesperrt.Das größte lateinamerikanische TV-Netzwerk Rede Globo meldete Urheberrechte an. Trotz sofortigem Widerspruchs durch das Social Media Team der Miltenberger Liberalen dauerte es über 24 Stunden bis das Video wieder für die Öffentlichkeit freigeschaltet wurde. Zahlreiche Nachfragen zum nicht mehr vorhandenem Beitrag gingen über den sozialen Kanal ein, die auch bearbeitet werden wollten.

Der stv. Kreisvorsitzende und Netzpolitiker Uwe Probst war sprachlos und wütend zugleich: "Das ist ein lebendes Beispiel dafür, warum wir und viele andere Kenner der Materie im Frühjahr 2019 gegen die nicht funktionierende Urheberrechtsreform und im Kampf gegen Uploadfilter auf die Straße gegangen sind. In dem Fall hat der Algorithmus von Facebook zwar erst nach dem Upload unberechtigt gesperrt, aber mit gleicher Wirkung. Maschinen können nicht erkennen, ob Texte, Musik oder Videos urheberrechtlich geschützt sind. Darin liegt unsere Forderung begründet, das Algorithmen nicht automatisch darüber entscheiden sollten, welche Inhalte gesperrt oder gelöscht werden. In diesem Fall haben sie sogar Einfluss auf einen aktiven Wahlkampf genommen und somit den politischen Entscheidungsfindungsprozess bis ins Mark getroffen und sogar verhindert."

„Die Aufgaben zur optimalen Sichtbarkeit und Kommunikation für ein solches Event wurden unter den drei Kreisverbänden optimal verteilt und als Deutschlands Digitalpartei ist die Strategie bis ins Kleinste minutiös geplant. Und dann kommt Facebook und legt als vierte externe Partei eine Vollbremsung hin. Aus Marketingsicht ist der Schaden kaum aufzufangen“ so die Online-Strategin Nicole M. Pfeffer und Social Media Managerin für den Kreiswahlkampf und die für die Live-Übertragung verantwortlich war. 

Was war passiert?

Das TV-Netzwerk versuchte durch die Möglichkeit der Wahrung eigener Ansprüche durch Urheberrechte für eigene Inhalte durchzusetzen und nutzte die von Facebook angebotenen Funktionen. In einem sehr komplexen Verfahren lädt es alle seine Filme bei Facebook in eine Rechteüberprüfungsmaschine (TDMH) hoch. Smit wird der Auftrag erteilt, alles sperren zu lassen, was mehr als 5 Sekunden dieser Inhalte enthält. Alternative wäre die Information des mutmaßlichen "Missbrauchers" gewesen, damit er vor einer Sperre reagieren kann. Nun kann so eine KI nicht alle Videos Eins zu Eins abgleichen, sondern nutzt vereinfachende Verfahren (Hashes) um Ähnliches zu erkennen. In diesem Fall hat sie wohl ein Publikum mit FDP-Fähnchen auf den Tischen mit einem bunten Publikum aus einer brasilianischen TV-Show verwechselt und die Sperre veranlasst.

Die Bearbeitung des Widerspruchs dauerte über 24 Stunden. So lange war der Beitrag in Facebook gesperrt und damit nicht mehr sichtbar. Es gibt keine menschlichen Ansprechpartner am Wochenende, um das Widerspruchsverfahren zu beschleunigen.

Somit wurde wegen eines nicht gerechtfertigten kommerziellen Anspruches (Urheberrecht) ein grundgesetzlich gewährleisteter Auftrag zur politischen Meinungsbildung von einem amerikanischen Computerprogramm behindert.

Durch die letztjährige Urheberrechtsnovelle wurde eine Beweislastumkehr zu Gunsten von Gesellschaften mit behaupteten Verwertungsrechten zu Lasten von Publishern mit eigenen Urheberrechten eingeführt.


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